In diesem Blog sind Bestzeiten beim Laufen (fast) nie ein Thema. Zum einen bin ich als Freizeitläufer mit Übergewicht (30er BMI!) und Plattfüßen physiologisch gar nicht in der Lage, Zielzeiten zu laufen, über die es sich zu schreiben lohnen würde. Und zum anderen ist es auch gar nicht meine Motivation. Mir geht es um den Spaß beim Laufen. Und es geht darum, dem Schweinehund zu zeigen, wer sein Herrchen ist. So steht’s ja auch als Motto des Blogs ganz oben. Und genau darüber kann ich jetzt ein neues Kapitel schreiben… ;-)

Bisher waren die 42,195 Kilometer eines Marathons die gedachte, maximal mögliche Strecke für mich als Hobbyläufer. Das geht wohl allen Startern so, die sich beim Marathonlauf in erster Linie wünschen, glücklich ins Ziel zu kommen.

Wenn diese Strecke aber ein paar Mal gelaufen wurde, verliert der Marathon seinen Mythos: er ist jetzt „durchaus machbar“. Der Schweinehund duckt sich vor dem Finisher! Aber gleichzeitig sucht er neue Ziele, die für Herrchen so unerreichbar sind, wie zuvor der Marathon. Und sobald er eines gefunden hat, kehrt dieses breite Grinsen wieder zurück…

72,7 km + 1.500 Höhenmeter + ein grinsender Schweinehund

Der 40. GutsMuth-Rennsteiglauf im Thüringer Wald war die Herausforderung des Schweinehundes, um das Herrchen auf eine neue (und härtere?) Probe zu stellen. Und Herrchen nahm die Herausforderung an! :-D

Die Idee für eine Teilnahme hatte mein Freund Steffen mir schon vor über einem Jahr „eingepflanzt“, indem er (übrigens erfahrener Ultraläufer) mir immer wieder suggerierte, dass der Rennsteiglauf nicht viel anstrengender sei, als ein Marathon… Irgendwann hab ich das dann wohl geglaubt. Obwohl der Rennsteig schlappe 30 Kilometer länger ist. Und obwohl ich keine Ahnung hatte, wie mein Körper mit 1.500 Höhenmetern umgehen würde. Bremen hat nun mal keine Berge.

Die Entscheidung für meine Teilnahme fiel im Februar. Seitdem steigerte ich die Trainingsumfänge und schaffte je einmal 50 und 60 Kilometer. Das war wichtig für den Kopf: mehr als die Marathon-Distanz ist also möglich. Noch ein paar Kilometer mehr, und dabei hoch und runter laufen: das muss doch auch möglich sein!

12. Mai 2012, 6 Uhr, Rennsteiglauf! – Die Zusammenfassung:

Wie immer erspare ich Euch einen ausführlichen Bericht vom Lauf. Und da auch meine zahlreichen Eindrücke den Rahmen sprengen würden, versuche ich mal eine stichwortartige Zusammenfassung im Margitta-Style:

  • 20 Min. vor dem Start treffe ich zum ersten mal Steffen & Melanie, Bettina, Heiko, Gerd und Martin. Endlich! Aber leider viel zu kurz…
  • 10 Min. vor dem Start steht Tiger Peter aus Berlin überraschend und unangekündigt vor mir und wird mich begleiten. Ich bin völlig überwältigt!
  • Mein Coach Steffen sorgt auf den ersten 10 Kilometern dafür, dass Peter und ich Kraft sparen: er bremst uns und sorgt dafür, dass wir an Steigungen nicht laufen, sondern gehen. Wir brauchen 1:20:00 Std. für den Abschnitt.
  • Die beiden Feen Silvia und Kathi treffen uns an mehreren Verpflegungspunkten, muntern uns immer wieder auf, und schießen tolle Bilder: ich danke Euch!
  • Neben der „normalen“ Verpflegung gibt es beim Rennsteiglauf auch Bratwurst, Wiener, Butterbrote, Haferschleim und mehr. Ich erinnere mich an Magenprobleme in NYC nach dem Genuss ungewohnter Verpflegung und verzichte – schweren Herzens…
  • Marathon-Distanz nach 5:40:00 Std. erreicht. So langsam war ich noch nie. Aber auch noch nie so fit nach 42 Kilometern!
  • Unterwegs zahlreiche Begegnungen und nette Gespräche. Unter anderem mit Markus und mit Marathonwoman Kerstin. Und mit Olaf, dessen Rennsteiglauf-Video aus 2011 ich vor meinem Debüt gefühlt mindestens hundert mal angeschaut hatte.
  • Bei Kilometer 69 lässt man mich erst nach einem Glas Köstritzer weiterlaufen. Das Bier wirkt sofort – wird aber während der letzten halben Stunde wieder ausgeschwitzt.
  • Nach 9:30:17 Stunden im Ziel. Überglücklich. Mit Tränen in den Augen. Und mit noch erstaunlich viel Kraft in den Beinen.

Der Schweinehund hat sich wieder geduckt und ist seitdem muxmäuschenstill. Aber ich weiß ganz genau, dass er sich schon wieder neue Ziele für mich ausdenkt… ;-)

Und hier noch die 9:30 Stunden, eingedampft in 5:46 Minuten: Ich hoffe, es gefällt Euch.

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