Ich liebe meine langen LĂ€ufe am Sonntag! FrĂŒher bin ich dazu niemals ohne iPod samt motivierender Playlist aus dem Haus gegangen. SpĂ€ter war es dann ein Hörbuch auf dem Smartphone (hĂ€ufig ein Krimi, machmal eine Biographie). Und seit Neuestem laufe ich oft ganz ohne ablenkende Beschallung.
Die Gedanken sind frei
Heutzutage suche ich mir Strecken abseits der Zivilisation, wo es keinen Verkehr gibt, auf den ich achten muss. Und wo ich selbst völlig ungestört bin. Dort lasse ich dann meine Gedanken frei. Ohne Ablenkung durch ein klingelndes Telefon, durch eingehende E-Mails oder durch Menschen in meiner direkten Umgebung. Fantastisch!
Auf den ersten Metern gehen dabei mir immer Fragen durch den Kopf, die mit meiner Arbeit zusammenhĂ€ngen. Nachvollziehbar, wenn man weiĂ, dass ich vor dem Laufen schon ein paar Stunden am Rechner verbracht habe, um irgendwelche Dinge fĂŒr die Firma zu erledigen…
Okay, an dieser Stelle höre ich gerade so manch einen Aufschrei:
Arbeiten am Sonntag? Das geht ja gaaar nicht!
Doch, doch, das geht: wenn man, wie ich, ein Startup gegrĂŒndet hat, ist es unĂŒblich bis unmöglich, nur von Montag bis Freitag zu arbeiten. Zumindest in den ersten Jahren. Ein Startup ist wie ein eigenes Baby, um das man sich rund um die Uhr kĂŒmmern muss. Und die meiste Zeit davon fĂŒhlt sich dann gar nicht wie arbeiten an.
Ich laufe also los und hĂ€nge in Gedanken bei meiner Arbeit. Aber ich werde abgelenkt: plötzlich durchzucken störende Blitze meinen Kopf: Was war das gerade fĂŒr ein seltsames Knacken im rechten Knie? Warum muss ich jetzt schon wieder pinkeln? Meine Gedanken fliegen wild durcheinander!
Nach einer halben Stunde verzieht sich das Gewitter endlich. Ich bin jetzt auf Betriebstemperatur. Der Puls hat sich um 25 bpm beruhigt und ist im grĂŒnen Bereich von 145 SchlĂ€gen pro Minute angekommen. So kann ich stundenlang weiterlaufen. Ich spĂŒre meinen Körper kaum noch. Es ist, als hĂ€tte jemand den Autopilot eingeschaltet. Ist das dieser berĂŒhmte âFlowâ? I donât knowâŠ
Jedenfalls kann ich mich jetzt endlich voll und ganz auf die Fragen konzentrieren, die mich seit dem Start begleiten: Wie bekomme ich mehr Traffic auf meine Website? Wie bekomme ich mehr Kunden und mehr AuftrĂ€ge? â Oft dauert es nicht lange, bis im Gedanken-Nebel erste Antworten auf mich zu wabern. Zuerst nur schemenhaft, aber sie werden immer konkreter, je lĂ€nger ich nachdenke. Das ist jedesmal groĂartig.
Dann aber passiert es regelmĂ€Ăig, dass ich vom sich gerade manifestierenden Lösungsweg abweiche und mich in Gedankenkonstrukte verlaufe, die ĂŒberhaupt nichts mehr mit den ursprĂŒnglichen Fragen zu tun haben. So wie heute. Da dachte ich das hier:
Das Cloud-Gedanken-Archiv

Wie fantastisch wĂ€re es, wenn ich mich nach dem duschen frisch und ausgeruht wieder an den Rechner setze, einen Editor öffne – und zack: alle meine Gedanken sind schon da! Statt von diesem riesigen, leeren WordPress-Editor angeglotzt zu werden, wĂŒrden dort schon alle Textbausteine bereitgestellt sein, die ich mir unterwegs ausgedacht habe.
Statt nochmals Stunden damit zu verbringen, alles einzutippen, was ich zuvor schon stundenlang ausgedacht habe, mĂŒsste ich den Text jetzt nur noch sortieren und editieren. Und wĂŒrde ich nie mehr etwas von dem vergessen, was mir unterwegs in den Sinn gekommen ist. Die Cloud hĂ€tte es fĂŒr mich archiviert.
Cool, oder? Wer weiĂ: vielleicht erleben wir ja noch, dass so etwas erfunden wird. Wundern wĂŒrde es mich nicht. Und ich wĂŒrde garantiert zu den ersten Kunden zĂ€hlen, die so einen Service in Anspruch nehmen.
Bis es aber soweit ist, muss ich mir eben weiterhin nach dem Laufen Notizen machen, um nichts zu vergessen. Und was die Antworten auf die oben gestellten Fragen zu meiner Arbeit betrifft, so muss ich wohl noch mal los: die Idee rund um das Cloud-Gedanken-Archiv hat diesmal die komplette Lauf-Denk-Zeit verschlungen.
Fazit:
Wenn man beim Laufen also auch das Hirn arbeiten lĂ€sst, tut man gleichzeitig etwas fĂŒr den Geist und fĂŒr den Körper. Und ich glaube nicht, dass es schĂ€dlich ist, wenn dabei manchmal nur wirre Ideen entstehen. FĂŒr diesen Blogpost hat es ja schlieĂlich gereicht. Und den finde ich jetzt gar nicht mal so doof.







Das selbe Problem habe ich auch!
leider bin ich ein extremer Kopfmensch und so quĂ€le ich mich Tag ei Tag aus mit Ideen, Lösungen, PlĂ€nen und und und….
Da mich diese sehr oft schwer belasten, habe ich angefangen laufen zu gehen am Abend. Ich dachte das es dann aufhört aber nein es ist nicht so. Selbst beim laufen denke ich die verschiedensten Sachen, und wenn es nur das planen des nĂ€chsten laufens ist, das ist wirklich sehr belastbar đ
Ich beneide Menschen, die komplett abschalten können.
Wenn Laufen fĂŒr Dich keine positive Wirkung hat (ganz gleich, ob physisch oder psychisch), solltest Du vielleicht einmal Alternativen ausprobieren. Du brauchst wohl eine BetĂ€tigung, die Dich so intensiv fordert, dass keine Zeit bleibt, um an Deine Arbeit zu denken. Wie wĂ€re es mal mit schwimmen?
Bei mir ist es so, dass ich die ersten paar Meter einfach an nichts denke oder mir nur das was um mich herum passiert beobachte. Schnell erschleichen sich dann aber Gedanken, was ich in der Zeit gerade noch alles tun könnte und mĂŒsste und von diesen Gedanken kann ich dann meistens bis zum Ende meiner Runde nicht ablassen. Ich nutze deshalb vermehrt Podcast, um die Zeit noch sinnvoller zu nutzen.
Danke fĂŒr Deinen Besuch und fĂŒr Dein Feedback, Birgit. Manchmal lasse ich mich auch berieseln, anstatt eigenen Gedanken hinterher zu hĂ€ngen. Bei Podcasts bin ich allerdings noch nicht angekommen: derzeit sind es noch HörbĂŒcher aus den Kategorien “Krimi” oder “Autobiographie”.
Hi Eddy, ich laufe immer ohne Musik oder Ă€hnliche Ablenkung. Zuerst alle möglichen Gedanken hin und her wĂ€lzen und mich irgendwann einfach nur noch auf Atmung und Rhythmus zu fokussieren, dafĂŒr nutze ich meine lĂ€ngeren LĂ€ufe. Ideen sortieren und aussortieren. Die richtig guten Geistesblitze bleiben dann auch so ganz gut hĂ€ngen, einfach ein paar mal wiederholen und verinnerlichen. Wenn nach dem Lauf nix hĂ€ngen bleibt, dann war auch nichts wichtiges dabei đ
Meine Lauf-Gedanken in “der Cloud” abzulegen, das wĂ€re allerdings der reinste Horror, am Ende liest die noch jemand mit.
FrĂŒher habe ich es gehasst, mich selbst atmen zu hören, und wohl auch deshalb Musik gehört. Aber inzwischen bin ich da bei Dir und finde es auch prima, wenn ich mich darauf fokussieren kann.
Und was das “Cloud-Thema” betrifft: hier mĂŒssten natĂŒrlich sichere Ăbertragungswege unbedingt garantiert werden! đ
Moin Eddy,
ich glaube nicht, dass ich den ganzen Mist der mir beim Laufen durch den Kopf jagt, nochmal abrufen möchte. Bei mir ist das eher so ein Gedankenbrei der mir hilft alles ein wenig zu ordnen und runter zu kommen. Meistens bin ich sowieso mit den Gedanken beim Laufen und genieĂe die Natur. Da ist leider selten was produktives dabei. Es sei denn ich denke an Sex!
Och, so manch einen Gedanken, der mit unterwegs in den Sinn kommt, wĂŒrde ich schon gerne festhalten. Und was das Thema Sex betrifft: da kommen wieder neue Ideen – wie wĂ€re es, wenn man aus den Gedanken direkt Filme schneiden kann? Und mit diesen Bildern lass ich Dich jetzt alleine…. đ
Ich möchte mich meinem Vorschreiber anschlieĂen und empfehlen, auf dem Smartphone oder einem kleinen DiktiergerĂ€t die Gedanken mit zu schneiden. Das ist kein groĂer Aufwand und ich mache das auch so. Seit Jahren.
Hast recht, Lutz: so lange es noch keine Möglichkeit fĂŒr einen direkten Gedanken-Upload gibt, sollte ich mir das vielleicht tatsĂ€chlich angewöhnen. Was Du seit Jahren schon praktizierst, kommt ja gerade erst in meinen Fokus. Bisher habe ich beim Laufen ja eher mit dem Ăberleben zu tun gehabt… hehe đ
Hallo Eddi,
ich kenne alle drei Varianten: Musik, Hörbuch und Natur…. Ich mache das tatsĂ€chlich davon abhĂ€ngig, wie es mir geht. Manchmal wĂ€re laufen ohne Ablenkung einfach nur anstrengend, manchmal sehr produktiv. Ich habe mir schon ĂŒberlegt, dass es bei âlet your mind flowâ-LĂ€ufen super wĂ€re, ein Mini-DiktiergerĂ€t dabei zu haben.
Dann könnte man seine Geistesblitze konservieren….
TatsĂ€chlich gehe ich eh keinen Schritt ohne mein Telefon, das kann ja sogar Wort zu Schrift wandeln -Dein Editor…
aber irgendwie istâs dann doch zu umstĂ€ndlich… bleibt also nur die Geistesblitz-Cloud….
Wenn ich beim Laufen genug Luft zum Quatschen hÀtte, wÀre ein Running-Brainstorming vielleicht das richtige Konzept. Dadurch ver-x-facht man zumindest die Wahrscheinlichkeit, dass sich wenigstens einer an den Geistesblitz erinnert.
GruĂ
Michael
Ja, das DiktiergerĂ€t kommt wohl auf meinen nĂ€chsten Wunschzettel. Macht total sinn. Und was die Luft beim Laufen betrifft: wir sollten uns mal treffen und gemeinsam laufen. Dann wirst Du sehen, wie viel Du quatschen kannst, wenn Du mit mir unterwegs bist. Das garantiere ich Dir! đ