Kann man mir ansehen, wie wunderbar eine Wanderung in den Kitzbüheler Alpen ist, wenn man sich dieses Titelbild anschaut? Ganz ehrlich: es ist noch viel besser! Und das sagt einer, der Wandern bis vor Kurzem eigentlich als eher eintönige, fast spirituelle Freizeitbeschäftigung angesehen hat. Naja, in Bremen gibt es eben keine Berge – und das ist wohl der Grund für meine Einschätzung. Nach 5 Tagen und 80 Kilometern wandern quer durch die Kitzbüheler Alpen habe ich diese Meinung jedenfalls grundlegend geändert. Und mein Blog hat neben „Laufen“ und „Bloggen“ jetzt eine neue Kategorie bekommen – „Wandern“. Damit ist klar: dies ist der erste, aber garantiert nicht der letzte Beitrag zu diesem Thema. 😃

Ein Hinweis zur Transparenz (Werbung)

Die Reise wurde vom Tourismusverband Kitzbüheler Alpen St. Johann in Tirol gesponsert. Der Inhalt dieses Beitrags und meine persönliche Meinung wurden dadurch aber nicht beeinflusst: ich bin tatsächlich schwer begeistert.

weitere Infos

Wie es sich zugetragen hat, dass ich nach dem Laufen jetzt auch das Wandern für mich entdeckt habe, und wie ich auf die Idee gekommen bin, dafür extra nach Tirol zu reisen, das ist hier nachzulesen. Jetzt möchte ich diesen Trip zusammenfassen und berichten, was ich erlebt habe.

Werbung und Wirklichkeit

In der Broschüre des Tourismusverbandes heißt es, die Region rund um den Wilden Kaiser sei die perfekte Kulisse für einen unvergesslich schönen Berg-Aktiv-Urlaub. Sanfte Hügel treffen auf schroffen Stein. Es gibt kristallklare Bergquellen, imposante Felsformationen und blühende Almwiesen. Wer einmal die Kraft gespürt hat, die von dieser Landschaft ausgeht, wird immer wieder zurückkehren wollen…

Ja sicher. Ich würde das auch so malerisch beschreiben, wenn ich versuchen wollte, Interesse für mein Angebot zu wecken. Völlig normal. Aber die Wirklichkeit sieht dann ja doch etwas anders aus. Das wissen und akzeptieren wir alle. So funktioniert Werbung nun mal.

In diesem Fall muss ich allerdings anerkennend sagen: die Broschüre übertreibt mit keinem Satz. Mal abgesehen von einer Überschrift, in der von der „vielleicht schönsten Kulisse der Welt“ die Rede ist. Das kann ich nicht beurteilen, weil ich von der Welt zu wenig gesehen habe. Aber alles andere ist tatsächlich zutreffend. Ich habe mit dem Koasa Trail zwar gerade einmal 80 von insgesamt 300 Kilometern Spazier-, Wander-, Berg- und Radwegen kennengelernt. Aber schon nach diesem Ausschnitt kann ich bestätigen: ja, ich will (und ich werde) gerne zurückkehren!

Mein Koasa Trail in Zahlen

Koasa Trail als GPS-Track bei Garmin Connect
Der Koasa Trail als GPS-Track bei Garmin Connect

Der Koasa Trail ist ein Weitwanderweg, der in 5 aufeinander folgenden Tagesetappen gewandert wird. Auf jeder Etappe hat man das rund 280 qm2 große Kaisergebirge und den Namensgeber des Trails, den Wilden Kaiser, immer im Blick. Der höchste Gipfel dieses Bergmassivs (Ellmauer Halt, 2.344 m.ü.A.) bleibt allerdings Kletterern vorbehalten. Der höchste Punkt der Wanderung wird auf der Harschbichlalm bei 1.604 m.ü.A. erreicht. Wer dann noch fit ist (Anmerkung: ich wars nicht!), hat dort die Möglichkeit für eine Extratour bis rauf auf das Kitzbüheler Horn: dabei kann man in rund 1,5 Stunden bis auf knapp 2.000 m.ü.A. aufsteigen.

Sportlich betrachtet war dieser Trail ideal für mich, weil ich bei meinen Aktivitäten in erster Linie Fett verbrennen, und an zweiter Stelle meine Ausdauer trainieren will. Pro Etappe habe ich in durchschnittlich 5,5 Stunden über 2.700 kcal verbrannt, wobei der Fettanteil immer knapp unter 50% lag: großartig!


Wandern mit leichtem Gepäck

Der Koasa Trail kann beim TVB Kitzbüheler Alpen St. Johann in Tirol als Pauschale angefragt werden. Zu einem Preis ab 599,- Euro sind zu den 5 Erlebniswanderungen alle Übernachtungen in ausgewählten Unterkünften enthalten, die jeweils am Ziel einer Tagesetappe liegen. Außerdem im Preis mit drin: ein Gepäcktransport! Die Koffer sind immer schon im Zimmer, wenn das Tagesziel erreicht wird, und man wandert mit leichtem Gepäck (sorry für den möglichen Ohrwurm)

Die Unterkünfte sind übrigens allesamt ausgezeichnet. Über die im vorhergehenden Absatz verlinkte Webseite kannst Du sie Dir im Detail ansehen: scrolle runter bis zur Beschreibung der 5 Etappen und klicke dort auf die Überschriften (Unterkunft Tag 1, Tag 2, usw).


Eindrücke von unterwegs

Dieser Beitrag umfasst bisher 647 Wörter (als Zahlenfreak gefällt mir diese Statistik-Funktion des Gutenberg-Editors). Aber da Bilder bekanntlich mehr sagen als tausend Worte, geht es jetzt visuell weiter. Ich denke, die Schnappschüsse zeigen die Schönheit des Trails schon recht gut. Die Gänsehaut-Momente und die Aaaahs und Oooohs kann ich damit zwar nicht wiedergeben, aber ich schwöre: davon gab es jede Menge!

Erste Etappe

Es geht über den Niederkaiserkamm nach Gasteig, hinauf zur Gmailkapelle und weiter zur Weiler Griesenau. Ich gebe zu, dass ich schon auf diesem ersten Teil des Trails mit meiner Höhenangst zu kämpfen hatte und einige Passagen kriechend durchqueren musste (lach gefälligst nicht, Herr Scheidtweiler). Davon gibt es natürlich keine Aufnahmen, is‘ klar. :oops: 


Zweite Etappe

Nach den Strapazen des ersten Tages haben wir gleich am zweiten Tag „geschummelt“ und eine kürzere Alternative zur eigentlichen Etappe gewählt – die allerdings in der Wanderkarte auch explizit vorgeschlagen wird! Wir sind also einen kleinen 8km-Kreis gelaufen: von der Griesner Alm über die Fischbachalm zur Ranggenalm und wieder zur Griesner Alm.


Dritte Etappe

Diese Wanderung führt durch die sagenumwobene Teufelsgasse. Angeblich hat der Teufel ein Labyrinth in den Fels geschlagen, um sündige Menschen in die Irre zu leiten. Wir haben uns tatsächlich verlaufen! Allerdings schon weit vorher. Das hatte aber weniger mit dem Teufel zu tun, als vielmehr mit unseren mangelhaften Fähigkeiten, eine Karte zu lesen. Wenn dann auch noch das GPS-Signal verloren geht, kann man schon mal so aus der Wäsche gucken wie ich auf dem nächsten Foto…


Vierte Etappe

Diese Tour führt durch die beeindruckende Grießbachklamm über Hängebrücken, Stege und Bohlen hinauf in ein Almengebiet. Oben angekommen, haben wir zusätzlich den Baumooskogel erklommen, um auf 1.506 m.ü.A. einen wunderbaren Rundumblick auf die umliegenden Berge zu genießen. Mit 25 Kilometern Länge und über 1.200 Höhenmetern war dies der anstrengendste Teil des Trails.


Fünfte Etappe

Der letzte Teil des Koasa Trail sollte eigentlich zum Eifersbacher Wasserfall führen. Der Weg dorthin war aber wegen umgestürzter Bäume nicht passierbar. Alternativ bot sich eine Gondelfahrt hinauf zum Kitzbüheler Horn an. Ehrlich gesagt haben wir über die Streckensperrung nicht gemeckert, weil wir dadurch die knapp 1.000 Höhenmeter dieser Etappe nicht per Pedes zurücklegen mussten. Die 1.200 Höhenmeter vom Vortag steckten noch ein wenig in den Beinen…

Nach einem Abstieg von 900 Höhenmetern durch Wälder und über Almen erreichten wir das Ende der Tour und unsere Unterkunft, das Hotel Penzinghof, wo wir fünf Tage zuvor den Koasa Trail gestartet haben. Bis zum Abendessen waren wir dann nicht mehr aus dem Infinity-Pool heraus zu bekommen. Verständlich, oder? ;-) 


Fazit

Diese Reise war ein unvergessliches Erlebnis. Sie hat meinen Horizont erweitert. Diese mächtigen Felsen, die weiten Almen und die unberührte Natur haben mich ehrfürchtig gemacht. Klingt jetzt vielleicht ein bisschen kitschig, ist aber so. Und darum bleibt das auch genau so hier stehen. Ich gebe zu, dass ich den Schwierigkeitsgrad dieses Trails im Vorfeld unterschätzt habe. In der Wanderkarte steht unter anderem dies:

 

Alle Etappen des Koasa Trail entsprechen einem mittelschweren, roten Bergweg. Mittelschwere („rote“) Bergwege sind überwiegend schmal und oft steil angelegt und können stellenweise ausgesetzt sein. Kurze drahtseilversicherte Gehpassagen oder ungesicherte Abschnitte, für die der Gebrauch der Hände zur Unterstützung des Gleichgewichts vorteilhaft sind, können enthalten sein.

Wanderkarte des Koasa Trail

Auch die Ausschreibung für diese Reise war deutlich: gesucht wurden explizit „sportlich-fitte Blogger“ mit genügend Ausdauer, um Wanderungen bei mittlerer Schwierigkeitsstufe und Etappen bis 20 Kilometern zu absolvieren.

Ich bin zehn Marathons gelaufen und ich habe die 72 Kilometer des Rennsteiglaufs geschafft. Darum habe ich die Hinweise eher ignoriert bzw. mit einem leichten Achselzucken zur Kenntnis genommen. Heute bin ich schlauer: die Kondition hat für den Trail ausgereicht – auch Kathi hat alle Etappen super durchgehalten! – aber gleich am ersten Tag ist mir meine Höhenangst auf die Füße gefallen. Ooops! Und da Hochmut vor dem Fall kommt, musste ich mich wie ein dicker Käfer auf allen vieren vorwärts (bzw. aufwärts) bewegen. Diese Bilder im Kopf darfst Du behalten.

Würde ich so etwas wieder tun? Diese Frage habe ich ja schon zu Beginn beantwortet. Sie lautet JA. Sofort. Immer wieder. Jetzt, wo Du die Fotos gesehen hast, kannst Du das sicher nachvollziehen. Dieser Trip war ein Erlebnis, das ich gerne wiederholen werde. Und wie schon erwähnt, habe ich jetzt erst 80 von 300 Kilometern dieses wunderschönen Stückchens Erde entdeckt. Und da auch Kathi diese Ansicht teilt, werden wir garantiert nach Tirol zurückkehren, wandern und genießen.

Mit dem Rad zur Arbeit in Bremen

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