In diesem Beitrag geht es um mein zweitliebstes Hobby: das Bloggen. Ich muss jetzt auch mal meinen Senf zum Thema Geld verdienen los werden.

Auslöser ist der abgebildete Tweet von Katarina Fiebelkorn, in dem sie behauptet, dass man bei meiner Firma (trusted blogs) einen Blogger für € 99,- kaufen kann. Das ist zwar falsch (nicht Blogger sind für diesen Betrag zu erwerben, sondern Leistungen von trusted blogs), wie auf der verlinkten XING-Seite auch nachzulesen ist, aber in postfaktischen Zeiten nehme ich einen solchen Lapsus einfach kopfschüttelnd zur Kenntnis. Und eben zum Anlass für diesen Blogpost.

Das Motiv für Katarinas Tweet ist ohne Zweifel ihre Einstellung zum Wert eines Bloggers. Und wie die Reaktionen zeigen, ist sie mit ihrer Ansicht nicht allein. Um genau zu sein, ist das Netz sogar voll von Beiträgen, die alle laut das gleiche rufen:

Blogger, verkaufe Dich nicht unter Wert!

Klick mal auf den Satz. Dann siehst Du, dass Google dazu unzählige Treffer liefert. Ich habe mir viele dieser Beiträge durchgelesen – und ich bin von den Autoren und vermeintlichen Experten maßlos enttäuscht. Denn alle schreiben immer wieder nur das gleiche (ab): Kalkuliere einen angemessenen Stundenlohn. Denk auch an Deine Nebenkosten. Setze Deinen Preis nicht zu tief an. Lass Dich nicht mit billigen Produkten abspeisen. Mit einem kostenlosen Lippenstift kannst Du Deine Miete nicht bezahlen. Sei selbstbewusst, auch wenn Du noch am Anfang stehst. Begegne Auftraggebern auf Augenhöhe. Und so weiter und so fort, mimimimi …

Ich kann diese abgedroschenen Phrasen und zigfach nachgeplapperten Plattitüden nicht mehr hören! Warum? Weil das alles kompletter Blödsinn ist! Glaubst Du tatsächlich, Du wirst ein „erfolgreicher“ Blogger, wenn Du diese Ratschläge befolgst? Sorry, aber dann bist Du auf dem Holzweg…

Das ist Bullshit!

Mit dieser Behauptung habe ich nun hoffentlich Deine volle Aufmerksamkeit und vielleicht auch Deinen Puls etwas beschleunigt. Bitte schreibe aber nicht jetzt schon einen Kommentar! Stattdessen möchte ich Dich bitten, die Welt kurz durch meine Brille zu betrachten, und anhand von 3 Beispielen die Gründe für meine Einstellung zu erfahren. Danach darfst Du mir gern Deine Meinung geigen – aber eben bitte erst dann. Also, los:


1. Was ist mehr wert: € 1.000,- oder € 100,- ?

Ein Sportgeräte-Hersteller, der den deutschen Markt betreten möchte, hat mir als Gegenleistung für einen Blogpost ein Laufband (oder wahlweise ein Spinning-Bike) mit einem Verkaufspreis von fast € 1.000,- angeboten. Lieferung und Transport bis auf unseren Dachboden inklusive.

Tchibo hat mir für einen Blogpost Sportklamotten mit einem Ladenpreis von rund € 100,- in Aussicht gestellt.

Den oben zitierten Tipps folgend, hätte ich aus betriebswirtschaftlichen Gründen das Angebot von Tchibo natürlich laut lachend ausschlagen, und stattdessen das Laufband annehmen müssen (und nach dem Test bei eBay zu Geld machen können). Ich habe allerdings das genaue Gegenteil getan. Bloggen ist aus meiner Sicht nämlich etwas völlig anderes, als die Kalkulation von Stundensätzen. Mein Verständnis vom Wert eines Bloggers basiert nicht auf Zahlen, sondern auf Moral und Ethik.

Der Wert eines Bloggers basiert nicht auf Zahlen, sondern auf Ethik und Moral. Klick um zu Tweeten

Fakt ist, dass ich zu Hause nicht auf einem Laufband laufen mag (und auch Spinning allein zu Hause finde ich doof). Nehme ich dennoch diese Kooperation an, um ein hochwertiges Laufband kostenlos zu bekommen, verkaufe ich damit meine Authentizität. Die aber ist in meinen Augen so wertvoll, dass man sie überhaupt nicht mit Geld bezahlen kann.

Die Tchibo Kooperation wiederum passt zu mir: die Klamotten kaufe ich ohnehin. Und weil es zu meinem Blog passt, würde ich auch darüber schreiben, wie sich die Sachen tragen. Deshalb nehme ich das Angebot dankend an, habe Content für einen neuen Beitrag und musste diesmal nicht einmal die neue Kollektion kaufen.


2. Du kannst auch mit einem Lippenstift die Miete zahlen!

Bevor es das Internet gab, habe ich Uhren & Schmuck verkauft. Als Anfang der 1980er die Swatch auf den Markt kam, habe ich mich darum gerissen, die Marke zu bekommen (die Händler wurden ausgesucht). Mit den Uhren konnte ich nichts verdienen: die Margen waren eine Katastrophe und die vorgegebenen Verkaufszahlen nur schwer zu erreichen. Wenn ich die Zeit für Beratung und Service berücksichtige, habe ich bei jeder verkauften Uhr sogar drauf gelegt. Trotzdem war es ein rentables Geschäft. Denn die Marke hat viele neue Kunden in mein Geschäft geführt. Diese jungen Leute kauften dann zum Beispiel auch meinen Silberschmuck. Und der hatte die mit Abstand beste Handelsspanne von allen Produkten im Sortiment. Der unterm Strich höhere Umsatz und Gewinn wäre ohne die Swatch gar nicht möglich gewesen. Die zugrunde liegende Marktstrategie zur Erzielung eines insgesamt höheren Deckungsbeitrags heißt Mischkalkulation.

Was bedeutet das in Bezug auf den Lippenstift:

Wenn Du als Beauty-Blogger eine Kooperation mit einer rennomierten Marke eingehst, macht Dich das interessant. Wenn Du Dior, Lancôme oder Maybelline als Referenz in Dein Media-Kit schreibst, wertet Dich das auf und kann Dir neue und im betriebswirtschaftlichen Sinn lukrativere Kooperationen bescheren, die Du ohne den Test dieses Lippenstifts überhaupt nicht bekommen hättest.

Und um außerdem auch rein mathematisch zu argumentieren: wenn Du Lippenstift benutzt und den nächsten gratis bekommst, dann kannst Du das eingesparte Geld selbstverständlich dazu nutzen, um damit einen kleinen Teil der Miete zu bezahlen.


3. Vergütung: € 0,- || Wert: unbezahlbar!

Im Jahr 2020 soll die erste deutsche Astronautin zur Internationalen Weltraumstation (ISS) fliegen. Aus über 400 Bewerbungen wurden 6 Kandidatinnen ausgewählt und bei Airbus in Bremen vor Gästen aus Politik und Wirtschaft erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Neben Vertretern der TV- und Printmedien wurden einige Blogger zu diesem Ereignis eingeladen. Sie bekamen die Gelegenheit für exklusive Interviews und Fotosessions, und sie durften in der Mockup-Halle der Internationalen Raumstation den Frauen bei Trainingsübungen auf der ISS über die Schulter sehen.

Das Event dauerte rund 5 Stunden. Weitere 5 Stunden dürfte jeder Blogger für das Erstellen eines Blogposts benötigt haben. Macht also 10 Stunden, ohne die An- und Abreise zu berücksichtigen. Wie hoch in diesem Fall die Vergütung ausfallen muss, um sich nicht „unter Wert zu verkaufen“, hängt ganz davon ab, welcher Kalkulation und welchem Experten man folgt. – Fakt aber ist:

Es gab gar keine Vergütung*. Aber für die Blogger war der Wert unbezahlbar!

*lediglich eine Reisekostenerstattung

Die Blogger haben Dinge gesehen und erlebt, die ohne diese Einladung niemals möglich gewesen wären. Sie haben außergewöhnliche Menschen kennengelernt und spannende Gespräche geführt. Und Sie haben die Möglichkeit bekommen, exklusiven Content zu veröffentlichen, den man nicht in jedem zweiten Blog findet.

Das wichtigste aber ist: diese Blogger hatten Bock auf die Kooperation, einen wunderbaren Tag, und jede Menge Spaß. Und genau diese Einstellung ist es, die in meinen Augen einen „erfolgreichen“ Blogger ausmacht: Liebe das Bloggen und nicht das Geld verdienen. Anders herum geht das langfristig gründlich in die Hose. Das sage ich aus meiner Erfahrung durch Beobachtung der Blogosphäre seit immerhin 10 Jahren.

Du musst das Bloggen lieben, nicht das Geld verdienen! Klick um zu Tweeten

So. Nun kennst Du meine Einstellung und ich danke Dir für Deine Aufmerksamkeit. Jetzt darfst Du mir gern Deine Meinung um die Ohren hauen. Aber bitte bleib sachlich, sonst fliegt der Kommentar wieder raus. Mein Blog, meine Regeln 😉

Intime Geständnisse bloggender Läufer
Lauf-Blogger auf Klassenfahrt, Vol.5

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